25. August 2010
Kurz nach der Gründungssitzung des Bund Deutscher Veteranen in Berlin berichtet Hauke Friedrichs in der "Zeit Online" von unserem neuen Verein für Veteranen & Soldaten:
"Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine neuen Veteranen mehr in Deutschland. Nun erleben immer mehr Soldaten den Krieg – und verbünden sich.
Lange Jahre hat es gedauert, bis deutsche Politiker vom Krieg in Afghanistan sprachen. Auch wenn dieser Terminus nur "umgangssprachlich" richtig sei, wie der Verteidigungsminister betont – und der Außenminister juristisch korrekt vom "nicht international bewaffneten Konflikt" spricht. Die Soldaten vor Ort, die beschossen werden und zurückschießen, die mit dem Tod bedroht sind und selber töten, für diese Soldaten bedeutete die Mission am Hindukusch schon seit Jahren ein Einsatz im Kriegsgebiet. Erstmals seit 1945 kehren damit auch wieder Hunderte Veteranen nach Deutschland zurück – viele gesund, manche aber auch verletzt an Körper und Seele.
Für die Traumatisierten und Verwundeten entstanden in den vergangenen Jahren Hilfsorganisationen wie die Deutsche Kriegsopferfürsorge (DKOF) und der Verein Traumalos. Für die gesunden Veteranen der Bundeswehr gab es bisher keine bundesweite eigene Vertretung von Bedeutung. Das soll sich nun ändern.
In Berlin gründeten Veteranen der deutschen Einsätze in Somalia, Bosnien und Herzegowina, im Kosovo und in Afghanistan sowie Sympathisanten einen Verein, der Bund Deutscher Veteranen heißen wird. Vor wenigen Tagen wurde zudem der Deutsche Veteranenverband in Osnabrück gegründet, der ähnliche Ziele verfolgen will. Zwar bestehen noch Verbände, die Veteranenheime für Kriegsteilnehmer des Zweiten Weltkrieges betreiben oder Sport für Versehrte anbieten, für Soldaten der Bundeswehr sind diese aber nicht zuständig.
"Wir wurden häufig von gesunden Veteranen gefragt, warum wir nicht auch etwas für sie anbieten", sagt Andreas Timmermann-Levanas, Oberstleutnant außer Dienst. Er ist einer der Gründer des Bundes Deutscher Veteranen und baute bereits mit Mitstreitern die DKOF auf. Er wurde auch zum Vorsitzenden des neuen Vereins in Gründung gewählt. Der Bund Deutscher Veteranen wird im Berliner Vereinsregister eingetragen und soll gemeinnützig sein.
Timmermann-Levanas hat in Afghanistan gedient, war in Feuergefechte verwickelt und wurde dort traumatisiert. Mit dem Bund Deutscher Veteranen wollen er und die anderen Mitglieder für mehr Respekt und Anerkennung gegenüber den Veteranen in der Gesellschaft sorgen.
Der Verein in der Entstehung will außerdem ein Bund zwischen aktiven und ehemaligen Soldaten darstellen. Bisher gibt es den Deutschen Bundeswehrverband, der oft als Soldatengewerkschaft bezeichnet wird, und den Verband der Reservisten, die unter anderem ähnliche Ziele verfolgen. "Wir wollen den bestehenden Verbänden keine Konkurrenz machen", sagt Timmermann-Levanas. "Viele Mitglieder der Deutschen Kriegsopferfürsorge und Interessenten für den Bund Deutscher Veteranen sind nicht Mitglied in den anderen Organisationen."
Timmermann-Levanas sieht den neuen Verein als Ergänzung zu den bestehenden Strukturen an. Nach 20 Jahren Auslandseinsatz der Bundeswehr sei es an der Zeit, dass die Veteranen eine eigene Interessenvertretung aufbauten. Vorbild dafür sind die Veteranenverbände, die in den USA während und nach dem Vietnam-Krieg entstanden. Damals demonstrierten Veteranen gegen ihre unzureichende Versorgung und gegen den Krieg, verbrannten Uniformen und gaben Tapferkeitsmedaillen und andere Auszeichnungen zurück. Die Vertreter des Bundes Deutscher Veteranen betonen aber, dass ihre Arbeit auch nicht gegen das Verteidigungsministerium gerichtet sein soll. "Egal welcher Einsatz, welches Jahr und unter welcher Regierung, wir wollen gemeinsam um Respekt und Anerkennung werben", sagt Timmermann-Levanas.
In vielen europäischen Ländern sind Veteranen etwas ganz Normales. Es finden Paraden der Veteranen statt – in den USA gibt es sogar ein Ministerium für Veteranenangelegenheiten. In Deutschland bestehen auf Grund der Geschichte, vor allem auch wegen der Rolle der Wehrmacht im Dritten Reich, starke Vorbehalte gegenüber dem Militär. Zwar sind die Proteste gegen öffentliche Gelöbnisse weniger geworden – die Debatte um das Mahnmal der Bundeswehr und um die Schaffung einer Ehrenmedaille für Soldaten im Einsatz zeigen aber, dass es weiterhin Bedenken in der Bevölkerung gegenüber der Armee gibt. In diesem Spannungsverhältnis wird der Veteranenverein sich bewegen müssen.
Nicht nur Veteranen der Bundeswehr, sondern auch aktive Soldaten oder Verwandte von Kriegsheimkehrern können Mitglied werden. Der Vorstand behalte sich aber vor, auch Anträge abzulehnen, damit das Ziel des Vereins nicht außer Sicht gerate. Das gilt auch für die Aufnahme von Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Der Verein werde die Interessen der Veteranen der Bundeswehr vertreten, sagt Timmermann-Levanas. Der Bund Deutscher Veteranen sei dem Geist der inneren Führung verpflichtet. Es gehe nicht um Kriegsverklärung, sondern um gegenseitige Unterstützung, etwa bei Fragen der Versorgung oder bei der Suche nach Juristen und Medizinern.
Erstes Ziel sei einen Veteranen-Tag zu organisieren, an dem Soldaten zusammenkommen und sich austauschen können. "Schön wäre es, wenn wir dabei schon mit anderen Verbänden und dem Ministerium zusammenarbeiten könnten", sagt Andreas Timmermann-Levanas. "Vielleicht gibt der Minister ja das erste Bier aus."
(Quelle: ZEIT Online, Hauke Friederichs)